Freitag, 16. Juni 2017

Kurztrip nach Mazedonien - eine Nacht am Ohridsee

Nachdem wir gestern einen Ausflug nach Hellas gemacht haben, ist heute Mazedonien dran.
Unsere Übernachtung auf der Farm Sotira war sehr angenehm. In der Nacht gab es den ersten Regen während unserer Reise, aber pünktlich nach dem Frühstück war die Strasse wieder trocken. Eigentlich perfekt, da durch den Regen der ganze Staub und feine Dreck auf der Strasse weggewaschen wurde. Blöd nur, dass die Strasse in der ersten Tageshälfte eigentlich nicht diesen Namen verdient hat. Schlaglochpiste oder Stoßdämpferteststrecke kämen der Wirklichkeit schon deutlich näher. Winkelig und eng war sie dazu noch, da kommt kein vernünftiger Stundenschnitt zusammen.
Von den wirklich schlechten Strecken gibts kein Bild, da musste ich den Lenker mit beiden Händen festhalten. ;-)
 Entschädigt wurden wir jedoch durch die wunderschöne Landschaft, welche dem gestrigen Tag in nichts nachstand. Immer wieder wundern wir uns, dass hier überhaupt jemand wohnt. Man sieht oft eine halbe Stunde lang kein Haus und kein Lebenszeichen, der Verkehr besteht aus einem bis zwei Autos pro Stunde und das Einzige, was meine Gedanken widerlegt sind die immer wieder auftauchenden Schaf- und Ziegenherden. Die immer in mehrfacher Ausfertigung vorhandenen Schutzhunde nehmen ihren Job absolut ernst und so sorgt die eine oder andere Begegnung für einen leichten Adrenalienschub, da die kräftigen Hunde im XXL-Format dem Moped oft verdammt nahe kommen.

In Korza, der einzigen größeren Stadt der heutigen Etappe, gibts zuerst Benzin und dann ein feudales Mittagessen - immer wieder stelle ich fest, dass Reisen und Entdecken auch durchaus mit dem Entdecken der Landesküche korrespondiert. Angefangen vom geschmorten Hirsch über das vegetarische Risotto bis hin zum Espresso mit passendem Zimtgrappa war die Küche mal wieder unerwartet gut.

Um das Verdauungskoma zu überbrücken wurde deshalb anschließend die mazedonische Grenze überquert und der Einstieg in eine geniale Singleroad in Richtung Ohridsee gewählt. Zuerst entlang des Prespasee´s und dann durch den Galichica Nationalpark und über den Kamen Baba mit 1600 Höhenmetern.
Leichter "Dachschaden". Die Viecher sind einfach blöd und gammeln dauernd auf der Strasse rum.

Der Belag und Grip sind hier in Mazedonien sehr gut und so kommt man endlich mal wieder dazu die Kanten am Reifen zu glätten. Morgen geht es schon wieder raus aus Mazedonien und in nördlicher Richtung nochmals in die östlichen albanischen Alpen.
Wir übernachten heute direkt am Ohridsee und geniessen nochmals ein wenig "Strandfeeling".
Villa Klia, direkt am Ohridsee
PS: Mit den Bildern im Fotoalbum sind wir etwas im Rückstand - aber die Abende sind einfach zu kurz und der Körper fordert seinen Schlaf....

Donnerstag, 15. Juni 2017

Südalbanien und Griechenland

Irgendwie tun mir fahrfreie Tage nicht gut. Ich habe mich gerade so ans Nichtstun gewöhnt und kann mich heute Morgen nur schwer zum Motorradfahrern motivieren. Die Hitze trägt dazu einen großen Teil bei.
Wir fahren noch ein bisschen die albanische Küste hinunter und biegen dann ins Hinterland ab. Der erste Kaffee-Stopp ist an einer 300 Jahre alten Linde. Diesen Wegpunkt hat Rainer aus einem Forum "Was Sie in keinem Reiseführer finden". Dass die Linde gar keine Linde, sondern ein Ahorn ist, übersehen wir jetzt einfach mal 😉
Mittagessen gibt's dann am 'Blue Eye', einer weiteren Quelle mit glasklarem Wasser (Quellschüttung 18400 l/s). Hier essen wir auch Mittag. Wobei sich wieder zeigt, dass die Kulinarik an touristisch überlaufenen Orten zu wünschen übrig lässt.
Am frühen Nachmittag besichtigen wir Girokaster, eine weitere Stadt in Albanien die UNESCO Weltkulturerbe ist. Was ich bei Berat nicht erwähnt hatte, dass wir zu der Burg eine sehr steile Marmorstraße hochfahren mussten. Je steiler die Straße wurde, um so schlechter wurde der Grip und man bekam ein ungutes Gefühl. Wir wären sicherlich ohne Probleme oben angekommen, wenn vor uns nicht ein Kleintransporter mit demselben Problem gefahren wäre. Diesem haben die Reifen irgendwann durchgedreht und es blieb dem Fahrer nichts anderes übrig, als den Berg langsam rückwärts runter zu rutschen. Doof, dass wir eben hinter dem Transporter gefahren sind und auch anhalten mussten. Der Boden war so glatt, dass ich die Maschine mit der Vorderradbremse nicht halten konnte und sie mir den Berg rückwärts runter gerutscht ist. Erst mit Hand- und Fussbremse konnte ich das Motorrad halten. Anfahren aus dieser Position war ein Alptraum, aber irgendwie ging es dann doch und wir haben uns beide an dem Transporter vorbei gedrückt.
In Girokaster mussten wir wieder eine sehr steile alte Pflasterstraße hochfahren. Rainer und ich haben innerlich schon die Hände überm Kopf zusammen geschlagen, als wir diese gesehen haben. Zum Glück war es dieses Mal kein Marmor sondern Granit. Wir waren beide sehr erleichtert!
Als nächstes steht ein etwa zweistündiger Ausflug nach Griechenland auf dem Plan. Die Aus- bzw Einreise ist gar kein Problem. "Kurz halten um die Füße zu vertreten", wie Rainer so schön meinte. Als wenn es die Vegetation  wüsste, verändert sich nach der Grenze auch das Landschaftsbild. Neben den vielen Büschen finden sich nun auch reichlich Bäume und es ist fast ungewohnt Schatten zu haben. Wir fahren fast eine Stunde durch Griechenland und sehen niemand außer drei Hunden, die uns auf den Motorräden jagen.
Gleich hab ich dich, elender Mopedfahrer
 Irgendwann kommen wir aber doch in ein größeres Dorf und halten um einen Kaffee zu trinken. Auch die Ausreise ist kein Problem und bei der Einreise nach Albanien bekommen wir sogar noch Tipps, was wir alles unbedingt noch besichtigen sollten.
Ich bin irgendwie davon ausgegangen, dass der Süden Albaniens flach ist (die Alpen sind ja im Norden), aber dies ist absolut nicht der Fall. Hier im Süden gibt es sogar grüne Wiesen und die Landschaft erinnert etwas an das Allgäu.

Wir übernachten heute in einer neu gebauten Holzhütte/Bungalow auf einer Farm. Als wir ankommen ist Highlife: In Albanien sind in 10 Tagen Wahlen und die Sozialisten-Partei hat eine Art "Frauentag" auf der Farm veranstaltet. Es gibt reichlich zu essen, laute Musik und es wird getanzt. Bis wir unsere Hütte bezogen haben, ist die Veranstaltung aber zu Ende und wir haben die Farm fast für uns alleine. In der Hütte nebenan macht eine junge fünfköpfige Familien aus Memmingen Urlaub. Schon wieder Deutsche😉

Dienstag, 13. Juni 2017

Stadt - Land - Strand

Tirana hat uns wirklich gut gefallen und so sind wir nach dem Frühstück in unserem Hotel nochmal ein bisschen durch die Stadt spaziert und über den Markt gebummelt. Gegen halb elf sind wir dann los Richtung albanische Küste. 

 Die Fahrt ist eine Mischung aus Landstraße und Autobahn, damit wir etwas Strecke machen.
Hier ist schon Erntezeit 
Um die Mittagszeit treffen wir in Berat ein. Die Stadt der tausend Fenster ist seit 2008 Weltkulturerbe und wurde bereits 1961 zur Museumstadt ernannt. Wir essen zu Mittag und besichtigen dann die bewohnte Burganlage und die Häuser darin.
 

 Am Nachmittag fahren wir noch den Llogarapass an der Küste. Von null auf 1000 Höhenmeter und wieder zurück auf null. Dazu ein herrlicher Blick über Dhermi, wo wir die nächsten zwei Nächte bleiben werden.
 
Hier noch ein paar allgemeine Eindrücke, die wir bisher von Albanien haben:
-  Der Albaner macht einen Zaun um den Acker, sperrt das Vieh aus und lässt es dafür frei springen.
- Die rechte Fahrspur ist für Rechtsabbieger, zum Kurzparken oder einfach um ein Schwätzchen zu halten. Das gilt auch, wenn man nur eine Fahrbahn hat oder sich in einem Kreisverkehr befindet.
- Fußgänger, Fahrradfahrer und Autos haben alle das selbe Recht auf die Straße. Wenn ein Fußgänger vor einem Auto läuft und gerade Gegenverkehr kommt, sodass man nicht überholen kann, Pech für das Auto. Aber für den Albaner kein Grund sich aufzuregen, der Fußgänger darf das.

- Es gibt immer wieder Polizisten am Straßenrand, welche bei Kontrollen die rasenden Einheimischen zur Rechenschaft ziehen. Hier fährt nämlich jeder vieeeel zu schnell. Von Motorradfahrern und Touristen will die Polizei eher weniger wissen. Die Ersten fallen unter die Kategorie "Roller/Mofa/Fahrrad" und mit den Zweiten kann man sich so schlecht verständigen.
- Schlaglöcher oder "Verkehrsberuhigungshubbel" sind für den Albaner der Horror. Hier wird zur Sicherheit erstmal auf 0 km/h abgebremst und dann vorsichtig drüber gehoppelt. Eigentlich verwunderlich bei den sonstigen Straßenverhältnissen.
- Man fährt hier mindestens Mercedes. Bevorzugt eine schwarze oder silbernen Limosine. Wenn es ein Japaner sein muss, dann auf jeden Fall ein Geländewagen. Kleine Rutschen sieht man hier eher nicht.
- Es wir immer gehupt. Egal ob zur Begrüßung oder zur Warnung oder einfach als Zeichen, dass man gleich überholt. Keine Ahnung, wie die blicken, wem welches Hupen gilt? Rainer hupt schon kräftig mit 😁
- Der Albaner putzt mindestens einmal täglich vor seinem Haus gerne mit dem Wasserschlauch. 
- Der Albaner putzt mindestens genauso oft sein Auto, deshalb gibt es auch in jedem Dorf mindestens drei "Waschanlagen" (hier wird noch von Hand gewienert). Daher ist die Straße in den Ortschaften gerne nass.
- Vogelkäfige mit echten Vögeln an der Hauswand, sind der Trend hier! Die armen Tiere...

Montag, 12. Juni 2017

Von den Bergen bis zur Hauptstadt Tirana

Rainer hat ja schon erwähnt, dass unser letztes Hotel nicht der Hammer war (in der Gegend gibt es aber sonst kein anderes) und genau so war die Nacht. Wir haben beide ziemlich Rückenweh und sind daher früh auf den Beinen. Nach einem einfachen Frühstück fahren wir weiter durch das albanische Hinterland. Auf der ersten Strecke haben wir ziemlich Pech mit der Beschaffenheit der Straße: Schlagloch an Schlagloch und dazwischen reichlich Splitt und Dreck. Da hat die "Ideallinie" nichts mehr mit Kurvenspaß zu tun, sondern eher, wie man möglichst sicher voran kommt.
 
Die zweite Hälfte des Vormittags können wir die Reifen dann aber wieder schön rund fahren. Toller Asphalt und harmonische Kurven. Dass die Straße immer wieder abfällt, mag die Autofahrer ziemlich stören, mit dem Motorrad macht das aber sogar richtig Spaß. 

Mittags holen wir uns in einem Minimarkt ein bisschen frisches Obst und Gemüse und fahren zum nächsten Berg, um im Schatten unseren Snack einzunehmen. Die Straße über den Berg nach  ist unbefestigt und die Alternative zu 60 km geteertem Umweg. Wir fahren die ersten 5 km, aber kein schatziges Plätzchen für die Mittagspause und die Steine werden immer größer und der Schotter immer loser. Bei der Hitze ziemlich anstrengend! Wir finden dann doch ein nettes Plätzchen mit Blick ins Tal und entscheiden uns, die 60 km geteert um den Berg herum zu fahren.


Und das war auf jeden Fall die bessere Alternative! Super Asphalt, lustige Bodensenkungen und eine hammer Landschaft: Grüne Büsche, rote Erde und türkisenes Wasser. 

Liqeni Shkopeti oder auf deutsch: Shkopeti Stausee
Am Nachmittag wollen wir noch und die gleichnamige Burg mit dem Skanderbeg Museum (dies ist der albanische Nationalheld) kurz vor Tirana besichtigen. Das Navi schickt uns in einen Feldweg (das wäre wohl die kürzeste Strecke gewesen), ein komisches Geräusch bei Rainer am Hinterrad und ... ein fetter Nagel, der im Reifen steckt und bei jeder Umdrehung gegen den Spritzschutz klappert.
Jetzt muss es schnell gehen: Die Motorräder umgedreht, zurück zur geteerten Straße und im nächsten Café mit Händen und Füßen unser Problem erklärt, der nächste Reifenhändler ist nur wenige 100 Meter entfernt. Mit 1,3 Bar auf der Luftdruckanzeige fahren wir auf den Hof. Der Mechaniker kann uns sofort helfen und hat das Hinterrad innerhalb von Sekunden mit einem Propfen repariert, Luft rein und fertig. Was für ein Glück!
Propfen rein und gut ist...
Wir besichtigen dann doch noch und fahren anschliesend nach Tirana, Albaniens Hauptstadt.  Pünktlich zur Rushhour sind wir da und der Verkehr ist wirklich eine Katastrophe. So was hab ich noch nie erlebt!
Abends bummeln wir gemütlich durch die Stadt und essen traditionell Albanisch (das Restaurant ist eine Empfehlung der Dame am Empfang). Ich bin ganz begeistert, da es 8 vegetarische Gerichte gibt und nur 3 mit Fleisch. Wir lassen uns eine bunte Platte zusammenstellen, so können wir von allem mal probieren. Sehr sehr lecker! Überhaupt ist Tirana überraschend schön und wir sind sehr angetan von dem bunten Treiben auf den Straßen.
National History Museum- Muzeu Historik Kombëtar

Am Skanderbeg-Platz Tirana

Rathaus Tirana

Sonntag, 11. Juni 2017

Entschleunigter Tag auf dem Koman-Stausee

Da die letzten Tage eher heftig waren, haben wir heute das "Rentnerprogramm". Nach gestriger Rücksprache mit unserem Hotelier dauert die Anfahrt zur Fähre ca. 2. Stunden - mit abschätzendem Blick auf uns und unsere Mopeds meint der dann mit einem Grinsen im Gesicht: "Ihr braucht dazu nur eineinhalb Stunden, mit dem Bike seid ihr schneller". Auf die Frage warum, meint er nur die Strasse sei etwas "bumpy". Er soll Recht behalten, wir haben ziemlich genau 90 Minuten gebraucht und unsere malträtierten Rücken senden bereits die selben Signale wie die Tage zuvor. Die Strasse ist war zu 100 % zu 90% geteert, die restlichen 10 % bestehen aus feinsten Strassenschäden und Absenkungen, die für die komplette Nutzung des Federwegs sorgen. Die letzten 500 Meter vor dem Fähranleger verlaufen sehr abenteuerlich durch einen rohen und unbeleuchteten Tunnel, dann stehen wir an der Oberkante des Lake Koman Staudamms. Allein das Beladen des Dampfers ist ein Fest: aalglatte Metalloberflächen mit 5 cm hohen Querrillen, da wurde mal wieder an die Mopedfahrer gedacht 😉.

Obwohl das Teil eine Roll-on/Roll-off Fähre ist, werden alle Fahrzeuge auf der Fähre gedreht, weil bei der "Einfahrt" auch wieder ausgefahren wird. Wir sind die einzigen Mopedfahrer an Bord, ansonsten ist der Kahn voll mit deutschen Touristen. Drei Busse voll mit studienreisenden Rentnern (tatsächlich ein großer Reisebus von STUDIOSUS. Wusste gar nicht, dass diese Albanien im Programm haben) und eine handvoll Wohnmobilisten.

Die knapp dreistündige Überfahrt wäre ganz entspannend, wenn das Deck nicht durch zwei lokale DJ´s mit albanischer Volksmusik in 100 Phone beschallt werden würde. Ich habs mit Fassung getragen und mir einstweilen die schöne Landschaft angeschaut. Unsere Kleingruppe von vorgestern haben wir auch wieder getroffen und ganz nebenbei sehr viel interessantes aber auch trauriges über die Blutrache und den Kanun, das albanische Gewohnheitsrecht gelernt.

Gegen 15:00 Uhr kommen wir in Fierze an und haben nun noch 85 km bis zu unserem heutigen Hotel. Gute 2,5 Stunden veranschlagt das Navi hierfür und diese brauchen wir auch locker - die gesamte Strecke besteht quasi nur aus Kurven. Sehr schön zu fahren, aber leider immer wieder mit Split und Dreck versaut. Die Landschaft ist mal wieder ein Traum: stahlblauer Himmel, blutrote Erde und im Tal das türkisfarbene Wasser des Fierze-Stausee, dem wir über eine Stunde folgen.
Nur ein sehr blasser Abklatsch der tatsächlichen Aussicht

Auf der gesamten Strecke begegnen uns gerade mal zwei Allrad Bussle mit D-Kennzeichen, sechs Vespas mit italienischen Chaotenpiloten (der Letzte kam mir sauber auf der Innenseite meiner Kurve entgegen, zauberhaft im wahrsten Sinne des Wortes). Ein Bauer mit 5 Kühen - ich habe die letzte Stunde kein Haus gesehen und eine weiterer Kuhhirte im Nirgendwo mit seiner kleinen Tochter. Ansonsten scheint die Gegend gänzlich unbesiedelt.
Albania at its best - die Lösung eines kleinen Problems
 Gegen 17:30 Uhr kommen wir in Fushë-Arrëz an, der garantiert hässlichsten Stadt in ganz Albanien (ich habe zwar noch nicht viel gesehen, aber hässlicher geht nimmer).
In Wirklichkeit noch viel hässlicher, leider. Die Gegend hätte Potential

Das Hotel passt ins Stadtbild und am liebsten würde man den 1. Gang einlegen und heftig die Kupplung kommen lassen. Aber wie immer kehrt sich dann doch noch alles zum Guten. Der jugendliche Bediener spricht ordentlich Englisch und ist überaus freundlich und das Abendessen ist ebenfalls sehr solide und schmackhaft. Über das Zimmer für 28,- € incl. Frühstück verliere ich jetzt mal kein Wort... Alles Bestens, wir sind satt und gesund und dies scheint in dieser ärmlichen Gegend nicht immer selbstverständlich für jeden zu sein.

Samstag, 10. Juni 2017

Off the Road again

Der Plan für den heutigen Tag war, über die "Südroute" wieder zurück nach Shkotra zu fahren. Diese ist auf 75 km geschottert und war daher als Tagesetappe gedacht. Martin und Wolfgang fahren uns ja voraus und haben uns schon gewarnt, dass die Route ziemlich heftig ist bzw kaum fahrbar ist. Die beiden mussten spontan bei Bergleuten übernachten, da sie in die Dunkelheit gekommen sind. Auch die Einheimischen warnen uns, dass diese Strecke nur was für "the crazy ones" ist.
Wir werden also die selbe Route zurück fahren, wie wir gekommen sind. Da diese deutlich weniger Zeit braucht, lassen wir uns mit dem Frühstück Zeit und schauen uns noch das Dorf Theth an. Hier gibt es z.B. einen Schutzturm (Kulla) für die Opfer der Blutrache. Außerdem ist Theth eines des wenigen katholischen Dörfer im sonst überwiegend muslimischen Albanien.Wobei Religion eh nicht so ausgeprägt gelebt wird, da Albanien in der kommunistischen Ära über 20 Jahre zum atheistischen Staat erklärt wurde und Religionsausübung verboten war.
"Kulla" von Theth, in diesem Raum im dritten Stock des Turms hauste der Verfolgte oft jahrelang


Dann fahren wir die ersten 10 km der angedachten Strecke, bis zum "Blue Eye". Einer wunderschönen Quelle, welche über mehrere Kaskaden zu Tal stürzt. 
 
Schon auf diesen paar Kilometern wird klar, diese Route ist wirklich deutlich heftiger zu fahren. Man sieht es auf den Bildern nicht so sehr, aber die ganzen Steine sind lose und man schwimmt und rutscht auf dem Schotter. Dazu kommen immer wieder große Steine über die man hoppelt. Und dieser Teil der Strecke gilt noch als "fahrbar"...


"Leichte" Bodenberührung - der Spiegel und ich sind aber wohlauf :-)
Wir drehen um und fahren unsere gestrige Route wieder zurück Richtung Shkotra. Im geteeren Teil talabwärts machen wir noch einen Abstecher nach Razëm und essen dort in einem gemütlichen Restaurant spät zu Mittag.
Nach "nur" 120 km, davon 38 km auf unbefestigter Straße , sind wird abends trotzdem richtig müde. Die Knochen tun weh und man spürt, dass man körperlich arbeiten musste. Morgen gibts zur Erholung einen entspannteren Tag 😀
Kleine Wasserdurchfahrt 

Man(n) könnte meinen Maren betet ihr Motorrad an - Nein, das Handy ist der Götze. 

Und zur Abwechslung gibts auch mal ein Bild von Rainer 
Mein erster Eindruck von Albanien ist sehr positiv. Wir sind allerdings bisher auch in einer Gegend, in der man auf Touristen eingestellt ist. Wir kommen sehr gut mit Englisch durch und werden überall freundlich empfangen. Das Land ist ursprünglich, aber trotzdem nicht so rückständig wie Rumänien. In den Gaststätten auf den Dörfern bekommt man gute selbstgemachte Kost mit Gurken, Tomaten und Salat vom eigenen Acker. Die Schweine laufen frei auf der Straße herum und dürfen sich im Dreck suhlen. Nichts ist auf Masse ausgelegt. Aber das wird die nächsten Jahre sicherlich leider kommen.